Try-Wetten im Rugby: auf Versuche und Versuchschützen setzen
Ladevorgang...
Inhalt
Die regbygehörigste aller Wetten
Ich kenne keine Wettart, die näher am Herzen des Sports liegt als die Try-Wette. Der Versuch – im Englischen Try, das Ablegen des Balls im gegnerischen Malfeld – ist die zentrale Punkteeinheit des Rugby und das Ereignis, auf das das ganze Spiel zustrebt. Wer darauf wettet, wettet auf den eigentlichen Kern dessen, was Rugby ausmacht.
Ein Versuch bringt fünf Punkte, plus zwei für die anschliessende Erhöhung. Try-Wetten lassen sich auf verschiedene Arten platzieren: auf die Gesamtzahl der Versuche in einem Spiel, auf das erste oder letzte versuchlegende Team oder auf einzelne Spieler als Versuchschützen. Diese Bandbreite macht den Markt so vielseitig – vom groben Tempo-Tipp bis zur feinen Spielerwette ist alles dabei.

Wie ergiebig dieser Markt ist, zeigt eine Zahl: Bei der Six Nations 2026 fielen über fünfzehn Spiele hinweg 108 Versuche, also gut sieben pro Begegnung. Das ist ein verlässlicher Bodensatz an Ereignissen, auf dem sich Wetten aufbauen lassen, und es erklärt, warum Try-Märkte bei jedem grossen Turnier prominent angeboten werden.
Wie ich die Versuchsanzahl einschätze
Der Markt auf die Gesamtzahl der Versuche funktioniert ähnlich wie eine Over-Under-Wette, nur dass die Einheit nicht Punkte, sondern Versuche sind. Der Anbieter setzt eine Linie, etwa 6,5 Versuche, und du tippst darüber oder darunter.
Meine Einschätzung beginnt beim Stilvergleich. Zwei offensive Mannschaften mit schnellem Spiel aus der Hand produzieren viele Versuche, zwei defensiv eingestellte Teams, die auf Straftritte und Territorium setzen, deutlich weniger. Ein Mismatch, bei dem ein starkes Team einen schwachen Gegner überrollt, treibt die Versuchszahl ebenfalls nach oben, weil die überlegene Mannschaft immer wieder das Malfeld erreicht.

Ein nützlicher Anhaltspunkt sind die jüngsten Begegnungen der beiden Teams. Hat eine Mannschaft in den letzten Spielen konstant vier oder mehr Versuche gelegt, deutet das auf eine funktionierende Offensive hin, die sich nicht über Nacht verflüchtigt. Umgekehrt verrät eine Serie versucharmer Spiele eine Mannschaft, die ihre Punkte mühsam über den Fuss holt. Solche Muster sind stabiler, als viele denken, weil sie aus dem Spielsystem stammen und nicht aus Tagesform.

Auch das Wetter spielt mit. Bei Nässe wird das Passspiel fehleranfälliger, und Versuche fallen seltener. Die Versuchsanzahl-Wette ist damit eng mit der Gesamtpunktlinie verwandt, aber sie reagiert empfindlicher auf die Frage, ob Punkte über das offensive Durchbrechen oder über das Kicken erzielt werden. Ein Spiel mit vielen Straftritten kann punktreich und gleichzeitig versucharm sein.
Diesen Unterschied unterschätzen viele Einsteiger. Sie sehen eine hohe Gesamtpunktlinie und schliessen automatisch auf viele Versuche. Doch zwei Mannschaften mit treffsicheren Kickern und disziplinierter Verteidigung können dreihenweise Straftritte verwandeln, ohne dass ein einziger Versuch durchkommt. Die Versuchsanzahl-Wette belohnt deshalb, wer den Spielstil genau einschätzt: offenes Spiel aus der Hand oder taktisches Kickduell.
Ich gewichte bei dieser Wette die Defensivqualität stärker als bei reinen Punktewetten. Eine Mannschaft mit löchriger Verteidigung kassiert Versuche fast unabhängig vom eigenen Angriff, und genau das treibt die Versuchszahl. Treffen dagegen zwei organisierte Defensivreihen aufeinander, bleibt die Zahl niedrig, selbst wenn beide angreifen wollen.
Wetten auf einzelne Versuchschützen
Hier wird es persönlich, denn auf einmal hängt deine Wette an einem einzelnen Spieler. Die Anytime-Tryscorer-Wette gewinnt, wenn dein gewählter Spieler irgendwann im Spiel einen Versuch legt – egal wann. Daneben gibt es Wetten auf den ersten oder letzten Versuchschützen, die höhere Quoten und höheres Risiko bieten.
Bei der Auswahl achte ich auf die Position. Aussenstürmer und Flügelspieler legen statistisch die meisten Versuche, weil sie am Ende der Angriffskette stehen. Innendreiviertel und bestimmte Stürmer kommen ebenfalls regelmässig zum Abschluss. Ein Gedrängehalb oder ein reiner Defensivspezialist dagegen wird selten gewählt – seine Quote ist hoch, weil ein Versuch unwahrscheinlich ist.

Ein wichtiger Sonderfall: Ein Penalty-Try, also ein vom Schiedsrichter zugesprochener Strafversuch, wird keinem einzelnen Spieler gutgeschrieben. Wer auf einen bestimmten Versuchschützen gesetzt hat und einen Penalty-Try miterlebt, geht für diese Phase leer aus. Solche seltenen Ereignisse verdienen eine eigene Betrachtung der Wetten auf Drop Goal und Penalty Try, weil sie eine ganz andere Logik haben als das klassische Versuchsspiel.

Beim Tryschützen-Markt lohnt der Blick auf die Aufstellung kurz vor dem Anpfiff. Ein Stammflügel, der gesetzt ist und in Topform spielt, ist eine andere Wette als ein Ersatzspieler, der vielleicht nur zwanzig Minuten bekommt. Auch der Gegner zählt: Gegen eine löchrige Abwehr legen Aussenspieler reihenweise Versuche, gegen eine kompakte Defensive verschiebt sich das Geschehen oft in den Sturm, wo nach langen Druckphasen über die Mitte gepunktet wird.
Mir ist bei dieser Wette die Standardsituation am Malfeld besonders wichtig. Viele Versuche in der Union entstehen nicht aus dem offenen Spiel, sondern aus dem rollenden Maul nach einer Gasse fünf Meter vor der Linie. Dort punktet häufig der Hakler oder ein Flügelstürmer aus dem Gewühl – eine Quelle, die der reine Blick auf die Flügelspieler übersieht.
Versuche live spielen, wenn der Druck steigt
Mein liebster Try-Moment als Live-Tipper ist die lange Druckphase am gegnerischen Fünf-Meter-Raum. Eine Mannschaft drückt Phase um Phase, der Versuch liegt förmlich in der Luft, und der Markt bietet den nächsten Versuch oder das versuchlegende Team zu einer Quote an, die das nahende Ereignis noch nicht voll eingepreist hat. Genau dort liegt live der Wert.
Live-Wetten dominieren mit rund 62 Prozent den Online-Markt, und Try-Märkte gehören zu den dynamischsten überhaupt, weil sie sekündlich auf die Feldposition reagieren. Wer das Spielbild liest und erkennt, dass ein Team kurz vor dem Durchbruch steht, hat gegenüber dem reinen Quotenstarrer einen klaren Vorsprung.

Ein wiederkehrendes Live-Muster lohnt besondere Aufmerksamkeit: die Phase fünf Meter vor dem Malfeld nach einem Straftritt. Statt zu kicken, wählt die angreifende Mannschaft die Gasse, treibt das Maul Richtung Linie, und der nächste Versuch hängt nur noch an Zentimetern. In diesem Moment ist die Quote auf den nächsten Versuch oder das versuchlegende Team oft noch nicht voll angepasst – ein kurzes, wertvolles Fenster für den aufmerksamen Beobachter.
Die Six Nations ist für solche Wetten ideal, weil sie als globales Spitzenereignis gilt, das jedes Jahr enorme Zuschauerzahlen anzieht, wie Tom Harrison als Geschäftsführer des Turniers betont. Diese Aufmerksamkeit bedeutet tiefe, liquide Märkte mit vielen Versuchsoptionen. Mein Schlussgedanke bleibt aber bodenständig: Setze auf Versuchschützen nur, wenn du den Spielstil und die Aufstellung kennst. Eine hohe Quote auf einen unwahrscheinlichen Schützen ist kein Wert, sondern nur eine teure Hoffnung.
